Mit ‘#Vernetzung’ getaggte Beiträge

Liebe Facebook-nutzende Aktivistinnen und Aktivisten!

Viele von uRaised Fist Facebookns nutzen die sozialen Medien, um Berichte über Demos und Aktionen zu verbreiten oder zu denen aufzurufen, um wichtige Artikel und Informationen zu verbreiten, sich dort zu informieren oder sich dort politisch kulturkreativ zu beschäftigen.

Dies alles wird jedoch seit dem Börsengang von Facebook, der Einführung eines Bezahl-Modells für Reichweite und der damit verbundenen Anpassung des sogenannten Edge-Rank Algorithmus sowohl für Profile als auch für Seiten deutlich schwieriger. Im Folgenden daher ein paar Tipps und Tricks, wir ihr dies trotzdem nutzen könnt.

Vorab: in diesem Beitrag geht es vordergründig nicht um (berechtigte) Kritik an und Unbehagen bzw. Boykott von Facebook in Szenekreisen wegen der (berechtigten) Vorwürfe, eine Datenkrake zu sein, ein Spionage-Tool zu sein oder niemanden wirklich mobilisieren zu können. Denn trotz all dieser Punkte versuchen einige von uns weiterhin, Facebook als Mobilisierungs-Plattform zu nutzen, und der Erfolg einiger Seiten und der dahinter stehenden Projekte zeigt, dass es nach wie vor möglich ist und auch sinnvoll.

Vor allem für Seiten-Admins sind die von Facebook angezeigten Zahlen und Statistiken manchmal deprimierend, jedenfalls bei Seiten, deren Beiträge nicht durch das Zahlen vieler Euros hervorgehoben werden. Oft hat man dann bei einer exemplarischen Seite mit 1000 „Gefällt mir“-Angaben nur eine Reichweite von 50 Menschen, die den Beitrag in ihren Newsfeeds angezeigt bekommen haben und davon haben nur 10 wirklich draufgeklickt. Der Grund dafür ist der oben angesprochene Edge-Rank Algorithmus, der entscheidet, welchen und wie vielen Nutzer*innen der Beitrag angezeigt wird basierend auf den drei Faktoren Beziehung, Gewicht und verstrichene Zeit.  Der letzte Faktor ist nicht zu beeinflussen, daher konzentiere ich mich auf die beiden erstgenannten. Mit Gewicht meint Facebook die verschiedenen Typen von Beiträgen wie ein geteilter Artikel, ein Statusupdate oder ein Bild. Mit Beziehung meint Facebook die Häufigkeit der Interaktionen der Nutzer*innen deiner Seite gegenüber. Es hat sich herausgestellt, dass dies der wohl wichtigste Punkt ist für den Erfolg eines Beitrags. Daher widme ich dem nun einen ganzen Absatz.

1. Die drei wichtigsten Bedingungen: Interaktion, Interaktion & Interaktion

Einen erfolgreichen Beitrag zeichnet aus, dass eine möglichst hohe Beitragsreichweite erzielt, zum Beispiel dass er bei unser  exemplarischen Seite mit 1000 „Gefällt mir“-Angaben 500 individuelle Nutzer*innen angezeigt wird. Für diese Reichweite gibt es ein scheinbar einfaches Rezept: Je mehr Interaktionen wie „Gefällt mir“-Angaben, Kommentare und Teilen, desto höher die Reichweite des Beitrags. Doch wie bekommt man Interaktionen, wenn der Beitrag niemandem angezeigt wird, der oder die damit interagieren könnte? Bei einer Reichweite von nur 50 Nutzer*innen oder weniger wird sich oft keine Interaktion ergeben. Der Beitrag wird dann in der Flut anderer Beiträge wie Zeitungsartikeln, Katzenbildern und gesponserten Beiträgen in den Newsfeeds der Nutzer untergehen und nicht lange angezeigt.

Eine Strategie hierfür ist das Anstoßen eines Beitrags. Das kann wie folgt geschehen: Direkt nach dem Veröffentlichen des Beitrags stellt man die agierende Person von der Seite auf den persönlichen Nutzer um und klickt auf „Gefällt mir“. Somit hat er schonmal ein sofortiges „Gefällt mir“ und die Chance, allen Freund*innen und Abonnent*innen wie folgt angezeigt zu werden: „Revotweets gefällt ein Beitrag von Umsonstladen Dortmund [Bild und Link]“ was zu weiteren interessenten und Interaktionen führen kann. Ein einziges „Gefällt mir“ reicht jedoch nicht aus. Ein weiterer Trick ist daher, die agierende Person auf andere von einem selbst administrierte Seiten zu wechseln, die veröffentlichende Seite aufzurufen und den Beitrag als Seite mit „Gefällt mir“ zu markieren. Im Anschluss kann man sich ausloggen und sich mit gegebenenfalls vorhandenen Zweit-Accounts einloggen und den Beitrag von diesem Account aus mit „Gefällt mir“ markieren. Es ist zudem ratsam, die eigenen Mitstreiter*innen für die Thematik zu sensibilisieren und Bescheid zu geben, auch Beiträge mit „Gefällt mir“ zu markieren oder zu teilen.

Auch reichen „Gefällt mir“-Angaben alleine nicht aus. An dieser Stelle bietet es sich an, den Beitrag vom Zweit-Profil aus mit einem kurzen neutralen Kommentar zu versehen wie „interessant“ bei einem Artikel oder „Bin dabei“ bei einer Veranstaltung. Es empfielt sich ihn dann auch direkt  auf der Chronik zu teilen. Ein einfaches „Geteilt!“ als Kommentar tut es in dem Fall auch. Wieder aus- und eingeloggt und zurück auf der veröffentlichenden Seite, stellt man fest dass der Beitrag unter umständen nun als gelb hinterlegt und mit einem Stern angezeigt wird, da er trotz (noch) geringer Reichweite bereits relativ viele „Gefällt mir“-Angaben bekommen hat. Das bedeutet der Beitrag hat jetzt Potential. Bei einem guten Beitrag und mit etwas Glück kann der Beitrag nun ein Selbstläufer werden: Andere Nutzer*innen sehen entweder den Beitrag oder die Interaktion im Newsfeed und interagieren selbst, was wieder zu mehr Reichweite das wieder zu mehr Interaktionen führt: ein sich selbst verstärkender Prozess! Besonders viele Interaktionen und damit verbundene Reichweite stellen sich ein, wenn der Beitrag eine ganz leicht provokant formulierte Frage oder Aufforderung beinhaltet, welche die Nutzer*innen dazu verleitet, zu kommentieren. Es sollte natürlich nicht zu populistisch oder polemisch sein und auch nicht zu provokant, um ausufernden Diskussionen und Beleidigungen vorzubeugen.

2. Das Auge klickt mit – Das Beitrags-Design

Wie erwähnt zählt auch das sogenannte Gewicht des Beitrags. Falls wer sich gewundert hat, warum man nur Katzenbilder oder Bilder mit dummen Sprüchen sieht, interessante Hintergrund-Informationen zum Weltgeschehen aber nicht, liegt das genau daran: Bilder werden von Facebook bevorzugt behandelt. Jedoch nicht nur von Facebook, sondern auch von seinen Nutzer*innen: Ein Beitrag ohne Bild hat von Anfang an schlechtere Chancen als einer mit Bild, je ansprechender und interessanter das Bild, desto eher wird auch auf den Link geklickt, sollte einer dabei sein, oder auf die Bildbeschreibung. Jetzt passen unsere Inhalte – nehme ich mal an – oft nicht in den Rahmen einen Facebook-Bildchens. Je nachdem welche Social-Media-Strategie ihr fahrt, bieten sich hier dennoch verschiedene Möglichkeiten Beiträge mit viel Gewicht zu erzeugen:

2.1.: Der Bild-Link: Eine der besten Möglichkeiten meiner Meinung nach ist, einen Link mit einem eigenen Bild zu versehen. Dazu geht man wie folgt vor: Man kopiert zuerst die URL in das Statusfeld. Wichtig: Es muss ein Link zu einer Seite sein, auf der es irgendein von Facebook ladbareres Bild gibt! Facebook lädt dann die Vorschau des Links und sucht sich ein oder mehrere Bilder als Thumbnail bzw. großes Bild heraus. In kleinen blauen Buchstaben steht dort aber auch: Bild hochladen. Hier könnt ihr ein vorher heruntergeladenes passendes Bild zu dem Beitrag hochladen. Im letzten Schritt fügt ihr so ca. 5 Zeilen Text über der URL ein, der als Teaser fungiert. Der Text sollte Interesse wecken, aber nicht zu viel verraten. Er sollte das Thema des Beitrags nennen, aber nicht die Schlussfolgerung. Bei mehr als einem kleinen Absatz kappt Facebook den Rest und die Nutzer*innen müssen erst auf „Mehr anzeigen“ klicken, was sicher nicht alle tun werden. Die Vorteile dieser Methode: Das Bild wird erstens in diesem Fall immer groß dargestellt und nicht bloß als Thumbnail und zweitens führt ein Klick auf das Bild direkt zu der externen URL.

2.2. Das Deko-Bild: Eine weitere gute Möglichkeit für einen Beitrag, der vielen Nutzer*innen gefallen könnte ist das Aufhübschen eines Status-example1Beitrags zum Beispiel durch ein Archiv-Foto das wiederverwendbar ist, also sich nicht auf ein aktuelles Ereignis bezog, keine Datumsangabe oder sonstige Referenz enthält und auch nicht zu sehr von dem Text darüber ablenkt, dennoch optisch ansprechend wirkt. Wichtig ist jedoch beim Teilen auf eigenen Profilen darauf zu achten, den dazugehörigen Text mitzukopieren und beim Teilen nochmals einzufügen, da Facebook sonst den dazugehörigen Text nur schwach gräulich und verkürzt unterhalb des geteilten Bildes anzeigt.

2.3. Der Statusbeitrag: Es geht auch ohne Bilder. Es ist aufgefallen, dass Facebook auch einfachen Statusbeitragen hohes Gewicht (im Sinne seines Algorithmus‘) beimisst. Wenn man weder ein ansprechendes Archiv-Bild noch ein passenden Bild-Link wie oeben erstellen kann, kann es oft von Vorteil sein einen kurzen ca. fünfzeiligen Statusbeitrag zu verfassen und ihn ohne jeden Schmuck zu posten. Ein Link kann darin auch untergebracht werden indem man die Vorschau einfach entfernt. Dieser Beitrag muss selbst nicht weiter geteilt werden, aber es sollte versucht werden möglichst viele Kommentare und „Gefällt mir“-Angaben zu bekommen, so kann der Beitrag vielen Nutzer*innen angezeigt werden, vor allem auch denen deiner Seite nicht folgen. (Beispiel im Newsfeed „Revotweets hat einen Statusbeitrag von Umsonstladen Dortmund kommentiert„). Beim Teilen des Beitrags wird er nur schwach gräulich angezeigt und abgekürzt, viele sparen sich weitere Klicks um den gesamten Beitrag sehen zu können.

Ein weiterer Vorteil der drei oben beschriebenen Formen ist, dass er als Nebenprodukt die Zahl der Nutzer*innen erhöht, die die Seite mit „Gefällt mir“ markiert haben und so die Neuigkeiten angezeigt bekommen.

2.4. Teilen teilen teilen: Wer Zugriff auf viele Facebook-Seiten oder Profile hat, kann auch eine ganz andere Strategie fahren. Wenn es nicht um den Facebook-Beitrag im speziellen und auch nicht um die Seite geht, sondern nur um den Inhalt eines externen Links, kann sich auch empfehlen, den Inhalts-Link mit einer kurzen Beschreibung auf einer Facebook-Seite zu posten, diese Beschreibung dann zu kopieren und sie genauso über alle zur Verfügung stehenden Seiten und Profile zu teilen, sodass er quasi omnipräsent wird für die Menschen in dem Netzwerk. Die Beiträge werden kaum Interaktion generieren, aber das ist in dem Fall auch nicht nötig, da der Algorithmus ja schon über das massenhafte teilen überlistet wurde. Wenn man dabei trotzdem eine Seite pushen will, kann man in den Beiträgen auf diese Hinweisen und sie wie folgt verlinken: ein „@“ tippen und die Anfangsbuchstaben der Seite eingeben, bis Facebook darunter automatisch die gewünschte Seite anzeigt und „Enter“ drücken.

Alle anderen hier nicht erwähnten Arten des Facebook-Beitrags werden (leider) vom Facebook-Algorithmas als nachrangig eingestuft und so behandelt.

3. Die Social-Media-Strategie

Falls du die Öffentlichkeitsarbeit für ein Projekt oder eine Initiative machst oder einen Blog betreibst, ist es auch wichtig die Strategien und Möglichkeiten zu kennen, wie man die sozialen Medien im Allgemeinen benutzen kann. Anhand gesammelter Erfahrungswerte stelle ich hier eine empfehlenswerte und von dem meisten auch bereits verwendete Strategie vor: Alle relevanten Informationen sammelt und veröffentlicht man auf der eigenen Webseite. So eine Webseite lässt sich sehr schnell, bequem und kostenlos via diverser Blog-Anbieter einrichten, zum Beispiel wie diese Seite via WordPress. Von dort verteilt man die Informationen in Link-Form in die sozialen Netzwerke.

Obwohl praktisch, empfiehlt es sich nicht, Facebook und Twitter zu verknüpfen. Auf Twitter automatisch veröffentlichte Facebook-Links werden in der Regel nicht angeklickt und vom Twitter-Publikum sogar oft boykottiert. Das endet oft im Entfolgen des Twitter-Accounts. Andersherum teilt Facebook Inhalten von externen Netzwerken einen extrem geringen Edge-Rank zu, die Beiträge werden nur einem kleinen Publikum angezeigt und bieten des Weiteren nicht die voll Funktionalität was die Bandbreite der Interaktionsmöglichkeiten angeht. Daher lieber die Mühe machen und auf die jeweiligen Netzwerke maßgeschneiderte Beiträge verfassen und veröffentlichen.

Da Facebook relativ unübersichtlich ist was Kommunikation angeht, empfiehlt es sich die sozialen Medien mono-direktional zu benutzen, also letztlich nur als Sprachrohr der Initiative. Aus diesem Grund deaktivieren einige auf den meisten Facebook-Seiten die Möglichkeit der Seite eine Nachricht zu schreiben. Gerade bei Seiten mit mehreren Admins gehen die entweder unter, werden doppelt oder gar nicht beantwortet etc. Auch Beiträge fremder Leute haben auf der Seite nichts verloren, hier wird ein Projekt oder eine Initiative beschrieben, da sollte man sich nicht instrumentalisieren lassen. Zudem bietet es Angriffsfläche für zum Beispiel rechte Nutzer oder irgendwelche Spinner. Stattdessen sollte man möglichst präsent und häufig die Kontakt-Email-Adresse erwähnen und diese dann natürlich gut betreuen. Wenn man inhaltliche Kommentare und Diskussionen wünscht, kann man die Menschen immer noch auf die Kommentarfelder der WordPress-Artikel verweisen oder unter den jeweiligen Facebook-Beiträgen. Jedoch sollten die meisten Statements intern abgesprochen von der Hauptseite ausgehen. Dies hat den Vorteil dass man zum Einen genau weiß, wie viele Menschen den Artikel gelesen haben und wie lange er letztlich Verbreitung fand, man kann ihn zweitens jederzeit anpassen, aktualisieren, erweitern, sperren, löschen und drittens einen klar erkennbaren konsistenten Verlauf und Informationsstrom anbieten, so dass Nutzer*innen sich irgendwann von selbst direkt auf der Seite informieren (RSS und Email-Benachrichtigungen sollten möglich sein) und Menschen, die aus Prinzip keine sozialen Medien nutzen das volle Angebot mitbekommen. Dies schließt dann jedoch Platfform-gebundene Methoden wie die Facebook-Veranstaltung so gut wie aus, diese Möglichkeiten bieten sich nur an wenn man als Haupt-Schnittstelle die Facebook-Seite benutzt. Der Sinn hinter dieser Strategie ist, die Menschen aus den sozialen Netzwerken abzuholen, auf die eigene Seite zu leiten, dort zu informieren und zu mobilisieren um dann auf Veranstaltungen in persona mit Ihnen interagieren zu können. Dafür bietet es sich an, jede Plattform ihrem Sinn und Zweck und Möglichkeiten nach zu nutzen, z.B. WordPress als zentrale Quelle, Facebook und Twitter als Verbreitungskanäle und Email als Kontaktmedium und Kommunikationsmittel.

4. Was ist das # jetzt? Hashtags auf Facebook!

Den nachfolgenden Text habe ich bereits am 14. Juni 2013 verfasst, da er aber thematisch passt und relevante Informationen enthält, die biser noch nicht abgedeckt wurden füge ich ihn noch einmal an:
Sogenannte Hashtags sind nichts anderes als Schlagworte. Eine Schlagwort-Suche liefert alle als „öffentlich“ markierten Ergebnisse zu genau diesem Schlagwort, welches in dem Beitrag mit dem Raute-Symbol „#“ markiert wurde. Die Schlagwortsuche erzeugt eine viel höhere Relevanz als der eigene Newsfeed, der nach den neuen Facebook-Regeln selten alle wichtigen Beiträge anzeigt, dafür aber viel uninteressantes, egal wie gut man sich vernetzt hat.
Es bringt natürlich wenig, Hashtags zu benutzen, wenn man nur wenige Freunde hat und nicht „öffentlich“ veröffentlicht. Achtung, wenn ihr öffentlich postet kann JEDE*R der nach dem Hashtag sucht, euren Beitrag finden, er muss nicht einmal befreunet sein (wenn es sich um eien Chronik handelt) oder gar selbst bei Facebook sein (wenn es sich um eine Seite handelt). Schaut also vorher, welche eurer Beiträge ruhig öffentlich sein können und verwendet dann für andere möglicherweise relevante Schlagworte. Um herauszufinden, welche das sein könnten gibt es mehrere Tipps:

– Wenn man über ein Ereignis in einer Stadt berichtet, sollte unbedingt der Name der Stadt als Hashtag in dem Beitrag stehen, geht es um eine Region, auch diese. Beispiel: #Mietenwahnsinn nicht nur in #Dortmund und #Bochum sondern in ganz #NRW

– Es empfiehlt sich im eigenen Newsfeed umzusehen um herauszufinden welche Hashtags gerade häufig und von vielen Nutzern benutzt werden. Es hilft nicht, einfach jedes für einen wichtig erscheinende Wort als Schlagwort zu markieren, wenn das niemand anderes tut. Die Schlagworte sollten bereits Verwendung finden. Das könnten sein: gesellschaftliche Reizthemen wie #HartzIV oder aktuelle Geschehnisse wie das #Hochwasser

– Natürlich kann man auch Hashtags neu einführen, wenn man selbst eine hohe Reichweite hat und weiß, dass andere diesen Hashtag aufgreifen werden. In dem Beispiel oben wäre das der Hashtag #Mietenwahnsinn, der auf Facebook weit weniger häufig benutzt wurde als auf #Twitter. Neue Hashtags lassen sich vor allem gut etablieren, wenn eine ganze Bewegung einen eigenen Hashtag kreiert und alle ihre Meldungen damit versieht, bestes aktuelles Beispiel ist #occupygezi für die Proteste in der #Türkei.

HashtagWenn man oft themenbezogen veröffentlicht und eine eigene Seite dazu hat, empfiehlt es sich den Hashtag zum eigenen Thema allen Beiträgen hinten anzuhängen, zum Beispiel empfiehlt es sich bei meinen ganzen Solidarökonomie-Seiten den Hashtag #Solidarökonomie immer anzufügen

– Hashtags haben aber auch noch einen weiteren wichtigen Zusatznutzen, nämlich den der besseren Vernetzung. Wenn man Hashtags zu einem persönlich sehr wichtigen Thema folgt kann man sich per „Gefällt mir“-Angaben, Interessenlisten und Freundschaftsanfragen ein eigenes themenspezifisches Netzwerk auf Facebook aufbauen.

– Auch die eigene Reichweite und das eigene Freundes-Netzwerk lässt sich so ausbauen, wenn man konstant gute aktuelle Beiträge zu einem für andere relevanten Thema postet, wird man über kurz oder lang auch in dem Bereich eine höhere Reichweite und Vernetzungserfolge erreichen. Wenn ich zum Beispiel aus unserem Bündnis immer aktuelle Meldungen zu #Zwangsräumung in #NRW verbreite, bekomme ich vor allem neue Freunde/“Gefällt mir“s von Leuten, die sich genau dafür interessieren.

– Zu guter Letzt kann man Hashtags auch nutzen, um Themen miteinander zu verbinden, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben: Beispiel: „Statt in neue #Drohnen hätte man Geld in neue Dämme stecken können. #Hochwasser“

So verbindet man relevante Themen und verbreitert Debatten, zudem verbindet man die Interessenten an den jeweiligen Themen über deren Schlagwortsuche. Man kann dies auch einsetzen, um auf Akteure hinzuweisen und diese öffentlich anzugehen, Beispiel: „#Hochwasser Für die Flutopfer ist keine Kohle da, aber für die #DeutscheBank immer, oder wie muss ich das verstehen #CDU #CSU #FDP?“

 

-> Falls ihr Ergänzungen, Anmerkungen oder weiterführende Fragen habt schreibt mir diese als Kommentar oder auf einem anderem Weg: Kontakt

Advertisements

Zwangsräumung Verhindern NRW

IMG_20130928_175342Es war im Grunde nur eine Frage der Zeit. Im Zuge der Finanz- und so genannten Eurokrise sucht das internationale Kapital neue Anlagemöglichkeiten – Staatsanleihen sind out. Und auch wenn Deutschland diesbezüglich ein Spätzünder ist: Nun schlägt sich diese Entwicklung auf den hiesigen Immobilienmärkten wieder, weil hier noch hohe Profite möglich sind. Die Situation wird sich zuspitzen, insbesondere für Mieter und Wohnungssuchende.

Keine schönen Aussichten, die Knut Unger verbreitet. Er ist bereits seit Jahrzehnten für den MieterInnenverein Witten aktiv und diskutierte auf Einladung der Anarchistischen Föderation Rhein/Ruhr mit Interessierten über das Thema „Städte für Menschen, nicht für den Profit„. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Kampagne „Zeit für Plan Ⓐ“ im Taranta Babu in Dortmund statt.

Bundesweite Vernetzung hat begonnen

Schnell kam die Frage auf, wie sich die Menschen gegen Gentrifizierung, Wohnungsnot und Mietenwahnsinn wehren können. Nachdem Gegenbewegungen in anderen europäischen Staaten (z.B. Spanien) bereits relativ erfolgreich protestieren…

Ursprünglichen Post anzeigen 813 weitere Wörter

Teil 1: Historie und Hintergründe

Global Day of Action – Der 15. Oktober 2011

Vor genau zwei Jahren wurde ich Teil einer transnationalen und globalen Protestbewegung. Angestoßen durch die Revolten des arabischen Frühlings und der spanische Bewegung 15. Mai fand eine Vernetzung unterschiedlichster Akteure statt. Durch das Hinzufügen eines kleinen „15O“ Symbols zu unseren Facebook-Profilbildern teilten wir mit, dass wir nun Teil der beginnenden Bewegung auch hierzulande waren. Binnen weniger Wochen entwickelte sich allein durch Facebook-Freundschaftsanfragen ein großes Netzwerk anpolitisierter Menschen. Gemeinsam bereitete man sich auf den ersten globalen Aktionstag am 15. Oktober vor, es fanden sich in Hunderten von Städten lokale Vorbereitungsgruppen zusammen, um die Demonstrationen zu planen. Etwas lag in der Luft, ein Gefühl Teil einer kollektiven Bewegung zu sein, einer neuen Idee, eines sich entzündenden Funkens. Der 15. Oktober war der Höhepunkt der Bewegung. Millionen Menschen in  über 1000 Städten in 80 Ländern gingen auf die Straße und schrien: „So geht’s nicht weiter!“ Viele dachten, die Zeit sei gekommen. Es war das vierte Jahr der sogenannten Subprime-Krise, milliardenschwere Rettungsschirme für Banken wurden errichtet, während die Menschen in vielen Ländern in Arbeitslosigkeit, Armut oder gar Obdachlosigkeit gerieten. Das Unrecht war offensichtlich, die Empörung berechtigt und lautstark. Das spanische Manifest verbreitete sich virulent. Aus dem erhofften Lauffeuer wurde nur ein Strohfeuer. Der Funke sprang nicht über.

Aus den Tausenden die hierzulande auf die Straße gingen, wurden Hunderte, die an weiteren Protesten teilnahmen, wurden Dutzende die ihre ganze Energie in die Aufrechterhaltung der Protest-Infrastruktur und der Informationskanäle steckten. Bis sie ausbrannten. Die Protestcamps auf dem ganzen Globus wurden geräumt, viele kehrten der Bewegung enttäuscht den Rücken, wandten sich wieder Parteien oder reformistischen Gruppierungen zu, oder dem Alltag. Viele Fehler wurden gemacht, vieles anfänglich missverstanden. Die Bewegung wollte intellektuell sein, gleichzeitig die arbeitenden Massen mitnehmen. Man verband radikale Positionen mit reformistischen Forderungen, von attac bis Antifa sollten alle mitmachen. Die radikale Linke solidarisierte sich nicht. Die arbeitenden Massen, die Prekarisierten und die Erwerbslosen kamen nicht. Man nannte sich „Occupy“ und „Echte Demokratie Jetzt!„, statt einer Massenbewegung entstand eine Art loses Netzwerk von neupolitisierten Intellektuellen und man versteifte sich auf das Organisieren basisdemokratischer Versammlungen und das künstliche Erzeugen von Empörung durch politische Gegeninformation.

Der Rechtsruck

Auch dieser Krieg der Informationen scheint verloren. Trotz Abgleiten großer Teile der europäischen Bevölkerung in die Armut, trotz ausufernder Überwachung durch die Geheimdienste verknüpft mit dem Errichten eines europaweiten Polizeistaats, einhergehend mit Militarisierung der Polizei, Polizeigewalt und Repression, trotz Abbau des Sozialstaats und dem Erreichen der Postdemokratie – die Bevölkerungen rücken nach rechts. Rassismus greift allerorten um sich, neofaschistische und neonazistische Parteien werden gewählt, deren Mobs auf den Straßen Griechenlands und Ungarns Jagd auf Roma, Sinti, Migrant*innen und Obdachlose machen, in Großbritannien, Österreich und Deutschland erstarken die rechten konservativen Kräfte und stellen die Regierungen, rechtspopulistische Parteien gewinnen an Zulauf, hierzulande und in ganz Europa.

Die wichtigen Herausforderungen der Zukunft werden nicht angegangen, die Altersarmut, der demografische Wandel, der Klimawandel und Ressourcen-Knappheit. Stattdessen sieht die Zukunft in Europa düster aus: Eine technokratische Dystopie aus kalter neoliberaler Ideologie und Polizeistaat.

Teil 2: Analyse und Kritik

Es zeigt sich, dass wir wie zu Erwarten auf die uns regierenden Kräfte nicht hoffen brauchen, diesen Wandel herbei zu führen. Es wird evident, dass nur Bewegungen aus den Bevölkerungen selbst durch breiten, massiven und entschlossenen Widerstand in der Lage sein werden, sich Stück für Stück eine bessere Welt zu erkämpfen. Dazu ist es meines Erachtens nötig, eine Bewegung aufzubauen, die sich solidarisch mit allen Kräften zeigt, die bereit sind diesen Wandel herbeizuführen. So eine Bewegung kommt aber nicht aus dem Nichts, es braucht immer eine anfängliche Kerngruppe, die die Strukturen aufbaut, die Vernetzung bereit stellt und ihre Erfahrungen vermittelt. Hier sind vor allem die erfahrenen Kräfte gefragt, die antikapitalistischen Gruppen, die globalisierungskritischen Netzwerke, das autonome Spektrum, die Antifa und die organisierten Anarchisten. Als die Bewegung hierzulande am 15. Oktober erstarkte und plötzlich Occupy hieß, haben die Aktivist*innen, die größtenteils vorher noch nicht aktiv waren, gedacht, diese oben genannten Strukturen würden sich einfach anschließen und in der Bewegung aufgehen.

Aus vielerlei Gründen geschah dies nicht. Im Folgenden möchte ich darlegen, welche Bedenken auf allen Seiten dazu geführt haben, dass sich keine Solidarisierungseffekte einstellten. Seitens der autonomen Strukturen sah man den legalistischen Ansatz, die Kooperation mit der Polizei, fehlende Antirepressionsstrategien und -Erfahrung als einen Risikofaktor einer möglichen Beteiligung an den Protesten – und blieb fern. Hier wäre es von Vorteil gewesen, diese Erfahrungen an die neuen Aktivst*innen weiterzugeben. Jedoch bestand zu dem frühen Zeitpunkt, Ende 2011 Anfang 2012, in der Bewegung noch eine starke legalistische Einstellung. Verbunden mit der anfangs ausbleibenden Repression führte dies zu einer Entsolidarisierung mit zivilem Ungehorsam und militanten direkten Aktionen und allen Kräften, die dies praktizierten. Behauptet wurde oft, es sei Konsens in der Bewegung, das man so etwas nicht macht. Diesen Konsens hat es nie gegeben. Zudem wusste man anscheinend nicht, dass die Bewegung in den USA von linksradikalen Kräften aufgebaut wurde, auch wenn sie dort auch die ein oder andere missliche Wendung genommen hat.

Occupy vs. Antifa

Am schwierigsten jedoch gestaltete sich das Verhältnis von Occupy zu den verschiedenen Antifa-Gruppen. Die Bewegung war bereits implodiert, es blieben die lokalen Gruppen übrig, die sich zu klassischen politischen Initiativen entwickelt hatten. Man vermutete sich selbst am äußeren linken Rand des politischen Spektrums. Durch den anfänglichen Bewegungscharakter, die thematische Breite und ein falsch verstandenes Idealbild von Basisdemokratie hatten sich jedoch leider auch rechtsoffene Kräfte, Esoterik-Fans, Zeitgeist-Leute, „Reichsbürger“, Anhänger wilder Verschwörungstheorien und Querfrontler eingenistet. Während manche dieser Leute eigentlich harmlos waren und sich trotz etwaiger wirrer Ideen für die richtige Sache einsetzten, gab es auch gefährliche Agitatoren der Querfront, die von einem Zusammenschluss der rechten und linken Kräfte gegen das Establishment räumen, sowie Holocaust-Leugner und Antisemiten. Hinzu kam, dass die Kapitalismuskritik einiger Occupy-Aktivist*innen von Teilen der radikalen Linken als verkürzt und als „strukturell antisemitisch“ betrachtet wurde oder wird. Hauptakteur ist hier das sogenannte „antideutsche“ Spektrum der Antifa und der radikalen Linken. Während Marx‘ und Engels‘ Kritik am Kapitalismus keineswegs abgelehnt wurde, inkorporierten viele auch diverse andere kapitalismuskritische Elemente in ihr Theoriegebäude. Während zu Beginn der Bewegung die Kritik der Krisenpolitik in der Tat verkürzt war und schlicht nur auf die Banken und Finanzpolitik abzielte, so wurde sie schnell ausgeweitet und ausgearbeitet. Außerhalb von Occupy, welches ja auch keine Reichweite mehr hatte, wurde dies nicht zur Kenntnis genommen. Die letzten Presseberichte waren alt, und in denen wurde von „Bankenkritikern“ gesprochen. Auch längst nachdem keine rechten Elemente mehr in den Gruppen geduldet wurden, blieb etwas vom Antisemitismus-Vorwurf hängen. Auch wenn sich die antideutsche Szene von ihren radikalsten Elementen zu distanzieren beginnt – zu nennen wäre hier die Redaktion der Bahamas – und die Leute von Occupy auf jeder Antifa und Antira Demo dabei sind, scheint sich die Kluft nicht schließen zu lassen.

Anarchie oder Blockupy?

Als man innerhalb der Occupy Gruppen merkte, dass die eigene Utopie und die vertretenen Ideale ziemlich genau denen des Anarchismus entsprechen, bekannte man sich nach und nach zu eben diesem Anarchismus. Schließlich war man von Beginn an gegen den repräsentativen Parlamentarismus eingestellt, diese Einstellung hatte nur nie eine große Breitenwirkung oder Öffentlichkeit. Diese Erkenntnis traf zeitlich überein mit dem Erstarken der anarchistischen Bewegung in Deutschland, deren Organisationsgrad von Monat zu Monat wächst. Jedoch fand man auch hier nicht richtig zusammen. Denn das Blockupy-Bündnis schaffte dann neue Probleme. Die Bündnisarbeit mit Parteiorganisationen wie DIE LINKE oder DKP, dem SDS oder der Linksjugend ’solid sowie der Partei-ähnlichen SAV bereitete großen Teilen der anarchistischen Szene Kopfschmerzen, da man die Lehren aus der Geschichte gezogen hatte. Schwierig wurde es dann auch mit anderen Teilen der Antifa-Gruppen, der roten Antifa, mit der man seitens Occupy auch bereit war, antikapitalistischen Widerstand zu organisieren, aber diese Gruppen von den Anarchisten als Stalinisten und somit autoritäre Kommunisten abgestempelt und abgelehnt werden und von der „Anti-D Antifa“ als Antisemiten bezeichnet werden, da sie sich offen mit radikalen Kräften der Palästinenser und Kurden solidarisieren und gegen die Politik Israels stellen. Überhaupt überschattet der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern die gesamte radikale Linke in Deutschland und trägt zur Spaltung der Linken bei. Eine differenzierte Analyse des Konflikts meinerseits würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, jedoch so viel sei gesagt: ich zeige mich vor allem solidarisch mit allen anarchistischen antinationalen Kräften in Israel und in Palästina, die gegen die nationalistische und rassistische Politik des Likud-Blocks und der religiösen Fanatiker der Hamas gleichermaßen kämpfen, da sie die Chance auf Frieden nur ohne Nationen sehen.

Bei all dem half es nicht, dass die Occupy-Gruppen schlecht untereinander vernetzt und überhaupt nicht koordiniert waren, so dass keine Konvergenz hinsichtlich der oben beschriebenen Konflikt-Linien zu Stande kommen konnte. Das große Projekt, antikapitalistischen Widerstand zu vernetzen, zu koordinieren und zu bündeln kann als vorerst gescheitert gelten. Die Schuld daran tragen alle beteiligten Gruppen. Ich denke jedoch, dass sich auf allen Seiten etwas getan hat und man mittlerweile so weit sein sollte, sich zusammenzusetzen und konstruktiv zu überlegen, wo gemeinsame Schnittstellen und Anknüpfungspunkte sein könnten, um die Spaltung zu überwinden. Occupy-Aktivist*innen findet man nun auch im schwarzen Block und in den organisierten Strukturen der Anarchisten, bei Antira-Mahnwachen und auf Antifa-Vorträgen. Gleichzeitig fällt so manchen Antifa-Aktivist*innen auf, dass man mit den verbliebenen Menschen bei Occupy doch reden kann und sie für diverse Aktionen gebrauchen kann.

Repressive Toleranz

Zu guter Letzt war es auch die repressive Toleranz der staatlichen Institutionen und führender Kräfte, die der Bewegung den Wind aus den Segeln nahm. In dem man die populären Positionen der anfänglichen Bewegung herausnahm und sie in Form von „Bankenkritik“ durch die Medien jagte und in jedem Politiker*innen-Interview erwähnte, höhlte man die übrigen Forderungen aus und ließ es vor allem sinnlos erscheinen, sich als Aktivist*in zu engagieren, wenn die Forderungen doch schon längst angekommen waren. So kam es das Occupy zwar Zustimmungsraten von 80% hatte, mehr als jede andere soziale Bewegung vorher, und dennoch auf wenige Hundert Leute herunter schmolz.

Teil 3: Ausblick und Anregung

Gentrifidingsbums

Während die anfangs beschriebene Dystopie Stück für Stück Wirklichkeit wird ist eine starke antikapitalistische und emanzipatorische Bewegung nirgends auszumachen. Ganz so düster sieht es dennoch nicht aus. Das Krisenkapital sucht fieberhaft Anlagemöglichkeiten. Staatsanleihen und Hypothekenpapiere sind out, die spekulativ verwendeten Kapitalmengen und das Fluchtkapital aus dem Süden drängen jetzt in die großen europäischen Metropolen. Diese Immobilienspekulation führt zu Luxussanierungen und „Aufwertung“ ganzer Stadtteile, aus denen dann ärmere Mieter zu Gunsten reicherer Mieter oder Käufer verdrängt werden – die sogenannte Gentrifizierung. Dort wo noch Jobs sind steigen die Mieten in astronomische Höhen, es kommt zu Wohnungsnot. In der Peripherie verrotten derweil ganze Stadtteile, es kommt zu Leerstand. Die Zeitung analyse & kritik bringt es daher in ihrer Ausgabe 585 in dem Artikel Das Kapital walzt durch die Städte auf den Punkt: „Recht auf Stadt Kämpfe um Wohnraum werden zum Kristallisationspunkt für linke Aktivität in Europa“. Die Bündnisse, die sich rund um den Recht auf Stadt Aktionstag gebildet haben sind sehr breit und vielfältig, von der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung bis zur Hausbesetzer-Szene ist alles dabei.

Hier sollte meiner Meinung nach künftiger antikapitalistischer Widerstand und Bewegung ansetzen. Der Kampf gegen Mietenwahnsinn, gegen Verdrängung und gegen Zwangsräumungen ist etwas reales und lebensnahes, die Menschen können die Ungerechtigkeit in ihrem eigenen Leben wahrnehmen und den Sinn des Widerstands nachvollziehen, auch ohne abstrakte Theorien gewälzt zu haben. Mit der kreativen Verwendung von Leerstand und städtischem Raum kann der Sinn zivilen Ungehorsams, militanter Aktionen und Hausbesetzungen verdeutlicht werden. Die Eigentumskritik und die Frage „Wem gehört die Stadt?“ kann so an praktischen Beispielen erlebbar gemacht werden.

Die Bewegung ist tot – es lebe die Bewegung!

Der Versuch einer breiten System-verändernden antikapitalistischen Bewegung ist vorerst im Sande verlaufen. Eines der Resultate war jedoch die Aktivierung und Radikalisierung vormals unorganisierter und passiver Menschen, welches nicht unterschätzt werden sollte. Die einzige Konsequenz jedoch, die wir daraus ziehen sollten ist: die nächste Bewegung wird kommen, das nächste Mal lernen wir aus unseren Fehlern und machen es besser. Die neue Initiative RLF hat dies gut auf den Punkt gebracht in ihrem Artikel Die Bewegung ist tot, es lebe die Bewegung!

Für kommende Bündnisse und Bewegungen müssen wir aber alle über unseren eigenen Schatten springen. Die verbindenden Elemente sollten zur Vernetzung und den Austausch sorgen, während für konflikthaltige Themen das konstruktive Gespräch gesucht werden sollte. Gegenseitiger Respekt und vor allem Unvoreingenommenheit sind von Nöten, will man es noch einmal miteinander versuchen. Dabei muss man nicht einmal den Aktionsformen und dem gesamten Theoriegebäude des jeweils anderen zustimmen: eine Solidarisierung untereinander reicht völlig aus. Auch wenn man selbst nicht bereit ist zu zivilem Ungehorsam aus Angst vor Repression, oder militante Aktionen die Sachbeschädigungen zur Folge haben könnten ablehnt, so sollte man sich dennoch solidarisch erklären, wenn einen das Ziel eint. Eine erfolgreiche Bewegung besteht fast immer aus drei Elementen, die sich untereinander solidarisieren, auch wenn sie die Formen des anderen ablehnen mögen: einer Basisbewegung, einem klandestin arbeitenden militanten Arm und einem Partei-artigen politischen Arm. Diese müssen sich gegenseitig kontrollieren, die Bewegung darf nicht einschlafen oder in die falsche Richtung gehen, die Militanz muss zielgerichtet und sinnvoll bleiben und der politische Arm darf sich nicht von Machtspielen des parlamentarischen Systems einnehmen lassen und die anderen nicht verraten.

Als Anarchist ist es nicht mein Wunsch, meine Utopie allen anderen aufzuzwingen und als das einzig richtige Lebensmodell zu erklären. Vielmehr ist es gerade die Pluralität der Einstellungen, Lebensformen und Aktionsformen, die den Anarchismus ausmacht. Eine gewisse Pluralität müssen wir somit auch auf dem Weg in eine bessere Gesellschaft wünschen oder zumindest akzeptieren.

Wie bereits erwähnt sieht es global betrachtet gar nicht so düster aus, eine gewisse Chance bleibt. Indem die Ungerechtigkeiten offensichtlicher werden, die Krise festgefahrener wird und der Protest dagegen punktuell anschwillt, verliert das Kapital und die Politik zunehmen die Kreativität, die Kontrolle und die Beherrschung. Dissidenz macht verdächtig, Protest ist unerwünscht und Widerstand wird kriminalisiert und brutal niedergeschlagen und gebrochen. Doch hier liegt nämlich die Schwachstelle: die Überreaktionen verdeutlichen nur umso mehr, dass den Herrschenden schon längst die Argumente ausgegangen sind und sie nur noch die Gewalt als Antwort haben. Sie erzeugen aber letztlich nur einen Backlash und Solidarität mit dem Widerstand. Wenn wir uns organisieren und solidarisieren, können wir das Ruder noch rumreißen!

Ich für meinen Teil werde weiter machen! Die Konsequenzen trage ich gern.

circle-a-hi

Zwangsräumung Verhindern NRW

Liebe Menschen,

das noch sehr junge Bündnis Zwangsräumung Verhindern NRW lädt ein zu einem NRW-weiten Vernetzungstreffen. Wir wollen uns am Sonntag, den 11.08.2013 um 18.00 Uhr im Kulturhaus des Taranta Babu in Dortmund in der Humboldtstraße 44 treffen.

Schwerpunkte des Treffens sollen vor allem sein:

  • In Anbetracht der Dezentralität und Größe Nordrhein-Westfalens erscheint eine Einbettung des Bündnisses in lokale und regionale Strukturen, Initiativen und Bündnisse sinnvoll. Auf diesem Treffen sollen daher mögliche Schnittstellen zu bestehenden verwandten Kämpfen und Initiativen gefunden werden.
  • Aus demselben Grund ist eine Debatte über die Organisationsstruktur und die Arbeitsweise des Bündnisses von Nöten. Diskutiert werden sollen Fragen wie z.B. wie organisieren wir uns in NRW? Wie muss eine Struktur aussehen, die diese Aufgabe bewältigen kann?

Im weiteren Verlauf des Treffens kann gerne über die inhaltliche Ausrichtung des Bündnisses diskutiert werden. Wir möchten mit Euch über unsere Systemkritik und die Schwierigkeiten der Thematik hier vor Ort diskutieren…

Ursprünglichen Post anzeigen 123 weitere Wörter