Mit ‘#Demokratie’ getaggte Beiträge

17.09.2013: Da ist es wieder! Das Wort „Demokratie“. Nicht nur die widerlichen Visagen der überbezahlten Herrscher, der Berufspolitiker*innen, grinsen einem dämlich entgegen; nein, überall hängen großformatige Plakate mit so informativen Inhalten wie „Geh Wählen!“ und „Gib deine Stimme ab!“. Dass kein „verdammt nochmal!“ dahinter steht ist alles! Überall wollen sie einen ködern, auf Facebook, auf Twitter, im Radio, in Magazinen. Plötzlich reden alle über die Wahl, über Parteien, über die Politiker und benutzen dabei die Worte „Politik“ und „Demokratie“. Aber wird denn wirklich über Politik geredet? Nein. Wozu auch, jeder weiß dass das nichts bringt, Politik wird in den Banken und Konzernen gemacht und vom Bundestag beschlossen. Und dennoch wird uns weis gemacht, das Wichtigste sei, zur Wahl zu gehen, das sei wichtig um Einfluss zunehmen. Das Hetzblatt DER SPIEGEL titelte gestern „Wie Nichtwähler die Demokratie verspielen“.

Das bedeutet, dass Demokratie ein Zeitpunkt ist, der alle vier Jahre wiederkommt, und ca. 10 Minuten dauert. Die Wahl mit Demokratie gleichzusetzen ist nicht nur dumm und falsch, sondern schon fast kriminell. Das eine hat mit dem anderen tatsächlich wenig zu tun. Auch ohne mich in theoretische Debatten zu verlieren (was ich im weiteren Verlauf sicher tun werde) dazu eins: Es gibt Gesellschaften mit Wahlen, aber ohne Demokratie, und Gesellschaften mit Demokratie, aber ohne Wahlen.

Wie man jedoch diesen „Wahlkampf“ mit bloßen Visagen und Namen auf Plakaten noch demokratisch nennen kann, entzieht sich meinem Verständnis. Es scheint, wir gehörten zur ersten o. g. Kategorie. Dass unsere sogenannte Demokratie so etwas nötig hat, zeigt auf wie es derzeit um sie steht. Wenn etwas gut ist, muss man nicht so viel Werbung dafür machen.

Ich bin Anarchist. Das bedeutet, dass ich jegliche Form von Herrschaft ablehne, ich versuche die Herrschaftsstrukturen zu erkennen, offen zu legen und zu überwinden. In dem Umfeld in dem ich mich bewege, begegnet man daher ebenso häufig den Aufrufen, bloß nicht wählen zu gehen, weil das eben nicht wirklich demokratisch sei. Da haben sie natürlich Recht. Genauso wie die vielen Menschen, die sich abgehängt fühlen, die sagen „warum sollte ich wählen gehen, es ändert sich doch eh nichts!“ Womit sie natürlich auch Recht haben, natürlich ändert sich nichts! Das politische System ist eben durch diese Wahlen so ausgelegt, dass sich nie großartig etwas ändern kann. Wer wiedergewählt werden will, traut sich eben nicht zu radikale oder zu umfassende Reformen anzupacken. Und wiedergewählt werden ist letztlich für den Berufspolitiker das einzig Interessante.

Ich wähle nur ungern. Letztlich legitimiere ich damit den Parlamentarismus und die Herrschaft der Politiker über mich, ich gebe meine Stimme ab, an Menschen, die mich repräsentieren sollen, obwohl mich niemand repräsentiert und niemand mich repräsentieren kann und darf! Dies als Argument zu nehmen, nicht zur Wahl zu gehen, halte ich dennoch für verkehrt! Denn: Die Erfahrungen zeigen: Es ist den Parteien ziemlich egal, wie viele Menschen zur Wahl gehen. Warum sollte es ihnen auch etwas bedeuten, es hat für sie keine Konsequenzen. Es interessiert ja nicht einmal der Wählerwille, da nach der Wahl nach Lust und Laune Koalitionen gebildet werden können, die oftmals im krassen Gegensatz zum Wählerwillen stehen können. In Spanien sind bei den letzten ich glaube es waren Kommunalwahlen in Folge solcher Boykott-Aufrufe nur 19% der Wahlberechtigten zur Wahl gegangen, die Jugend ist komplett ferngeblieben. Das hat aber niemanden in der herrschenden Klasse gestört. Warum auch? Irgendein Politikwissenschaftler wird kurz etwas über eine „Legitimationskrise“ der Demokratie schreiben, aber das liest dann eh niemand.

In (hierzulande) so kleinen Bewegungen wie der anarchistischen Bewegung und der Occupy-Bewegung so kurz vor der Wahl Boykott-Aufrufe zu streuen, sich über Wähler lustig zu machen und selbst nicht wählen zu gehen hat dann jedoch letztlich nur einen einzigen Effekt: Die paar tausend Leute die wir sind fallen dann gar nicht ins Gewicht, wo sie doch letztlich die sind, die sich am meisten, oft tagtäglich, mit Politik befassen. Wenn auch oft nur in theoretischer Hinsicht.

Was aber kann es denn bringen, wählen zu gehen?

Ich muss sicher niemandem der den Weg zu diesem Text gefunden hat erklären, dass mit den „großen“ sogenannten „Volksparteien“ CDU/CSU, SPD, B90/GRÜNE und FDP keine Chance auf einen grundlegenden Wandel zu einer besseren und gerechteren Welt hin möglich ist. Jede dieser vorgeblich „demokratischen“ Parteien hat sich dem einen oder anderen Aspekt des Kapitalismus verschrieben. Und so lange der Kapitalismus existiert, wird es keine Gerechtigkeit auf der Welt geben können. Auch am politischen System wollen die angesprochenen Parteien nichts ändern. So lange der Parlamentarismus als einzige Herrschaftsform implementiert ist, wird es keine echte Demokratie geben; Demokratie so wie ich sie verstehe, Demokratie wie sie mal gedacht war (basisdemokratisch, direkt, partizipativ, hierarchiefrei, Autonomie-fördernd, regional statt national, gleich und gerecht etc. pp.).

Dennoch kann es Sinn machen, zur Wahl zu gehen und gültig zuwählen. Nicht weil es um irgendwelche Reförmchen in oder durch Parlamente geht, sondern darum, Anknüpfungspunkte zwischen den Parteien und den Bewegungen zu nutzen und die letzten Kontrollmechanismen nicht aufzugeben. So kann man die Parteien DIE LINKE und die PIRATEN mit einer Stimme unterstützen. Die Linkspartei deswegen, weil sie die letzte verbliebene echte Oppositionspartei im Bundestag und vielen Landtagen darstellt. Als solche hat sie die Möglichkeit, an wichtige Unterlagen und Informationen zu kommen, Ausschüsse einzuberufen um Skandale aufzudecken, kleine und große Anfragen zu stellen und so die Regierung dazu zu zwingen, Hintergründe offen zu legen und vieles mehr. Auch wenn man sich keinen bahnbrechenden Wandel von einer Linkspartei als stärkste Kraft erwartet, so sollte man zusehen, dass solange der Parlamentarismus noch nicht überwunden werden konnte, zumindest eine kontrollierende und informierende Kraft im Parlament vertreten ist.

Auch wenn eine Partei wohl nicht in das Parlament einzieht, kann es Sinn machen, diese zu wählen. Parteien, die keine Groß-Spenden von der Industrie oder den Banken erhalten, sind vor allem vom Gesetz zur Parteienfinanzierung abhängig, worin geregelt ist, dass Parteien ab einer bestimmten Größe abhängig von ihrem letzten Wahlergebnis finanziert werden. Das heißt jede Stimme bedeutet ein bisschen mehr Einkommen. Mit diesem Einkommen können gerade außerparlamentarische Parteien Bewegungen unterstützen, so denn sie Anknüpfungspunkte erkennen. Dass sie da an ihren eigenen Vorteil denken ist nur Recht und billig, der Vorteil dürfte aber derzeit auf Seiten der Bewegungen liegen. So kann man Räumlichkeiten für Versammlungen und Vorträge nutzen, auf deren Kosten Flyer kopieren und andere Teile von deren Infrastruktur nutzen, wie zum Beispiel die Piratenpads,Liquid Democracy und viele andere Webdienste, die auf der Partei-eigenen Infrastruktur betrieben werden, aber allen Menschen zur Verfügung stehen. Nicht zuletzt kann man gemeinsam mit Parteien für breiter angelegte Themen mobilisieren und sie zu Demonstrationen einladen. Bundestagsabgeordnete zum Beispiel eignen sich gut als „Parlamentarische Beobachter“, da sie eine Immunität besitzen. Des Weiteren haben Parteien einen besseren Zugang zu Öffentlichkeit und Presse, sowie zu Anwält*innen und Expertenwissen. Zu guter Letzt kann man versuchen, direkt Geldmittel von Parteien für eigene Projekte abzuschöpfen.

Also kann ich auch als jemand, der gegen jegliche Form der Herrschaft, gegen Hierarchien und gegen jede Autorität ist, als jemand der auch das Konzept der Partei an sich ablehnt, zur Wahl gehen und eine Partei wählen, die mir im Hinblick auf o.g. Aspekte sinnvoll erscheint.

Auch wenn man seinen Protest zum Ausdruck bringen will, gibt es Möglichkeiten, dies an der Urne zu tun: Mir fallen da spontan die Satire-Partei DIE PARTEI, die NEIN-IDEE oder von mir aus die APPD ein! Man muss schauen, wie sich die Dinge hinsichtlich der aus Italien stammenden „5 Sterne Bewegung“  hierzulande entwickeln.

Zu guter Letzt: Ich bin der Meinung dass wir, die Bewegungen, die APO, gesamtgesellschaftlich nur etwas verändern können, wenn wir einen basisdemokratisch-aktivistischen Arm, einen militanten Arm und einen politischen Arm haben und diese sich untereinander solidarisieren. Wahrscheinlich werden wir über kurz oder lang eine Aktivisten-Partei benötigen und gründen müssen, nach dem Vorbild der Spanier (Partido X – Partido del Futuro, die „Partei der Zukunft“). Bis dahin sollten wir das System nicht nur von außen bekämpfen sondern auch von Innen unterwandern. Die Gefahren sollten wir natürlich nicht außer Acht lassen: Die Gefahr, dass eine Partei ein Selbstläufer wird, sich vom System korrumpieren lässt und die Bewegungen und damit die eigenen Ideale verrät (siehe Entstehungsgeschichte der Partei B90/Die Grünen). Daher sollte man nur die Kräfte unterstützen, die wirklich im Sinne eines Wandels agieren, und diejenigen abstrafen, die beginnen reine Machtpolitik zu betreiben.

Ich verweise an dieser Stelle auch noch auf den Artikel dazu von Victory Viktoria, die zu ähnlichen Schlussfolgerungen gekommen ist hinsichtlich der Rolle der APO im Wahlkampf. Leseempfehlung: http://victoryviktoria.wordpress.com/2013/07/08/parteien-im-wahlkampf-ich-in-der-apo-auserparlamentarische-opposition-piraten-linke-co/

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Obamney 2012

Veröffentlicht: 29. September 2013 in Einfach so, Kommentar
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7.11.2012:
Meine Meinung zu dem US-Wahl-Terror:

OBAMNEY 2012 – And the Winner is: Goldman Sachs

Seit Wochen terrorisiert mich unsere gleichgeschaltete Systempresse mit der US-Wahl. Ein inhaltsleerer Schlagabtausch, der mir von morgens bis abends lediglich die Worte OBAMA, ROMNEY, OBAMA, ROMNEY um die Ohren haut – und das obwohl ich kein Fernsehen mehr schaue, kein Radio mehr höre und keine Zeitungen mehr l
ese! Ein Glück dass diese Inszenierung jetzt vorbei ist. Weil es mich so deprimiert und meinen Intellekt beleidigt, werde ich heute nicht aufhören, euch mit meiner unter Umständen radikalen Meinung vor den Kopf zu stoßen, ihr die ihr von den Massenmedien verblendet einem der beiden hinterherrennt:

– Vorab: Alle Wahlen machen mich traurig und wütend. Sie sind eine Bankrotterklärung des Volkes, Trick 17 mit Selbstverarschung. Statt eure Stimme jeden Tag zu benutzen, gebt ihr sie ab und verzichtet für vier Jahre auf jegliche Form der Einflussnahme, und wollt mir das ein „große demokratische Errungenschaft“ verkaufen. Die Elite präsentiert euch zwei (von eigentlich sechs) ihrer handverlesenen Kandidaten, zwischen denen ihr euch dann entscheiden müsst. Mit Demokratie hat das nichts zu tun!

– Warum interessiert das die Menschen auf der ganzen Welt, obwohl nur die Amis wählen dürfen? Ganz klar, weil es unser aller Leben betrifft, es geht hier um das ganz offiziell mächtigste Amt der Welt, den Mann mit dem Knopf zur Vernichtung des Planeten jederzeit in Griffweite. Die Tatsache, dass darüber nur wenige Millionen der betroffenen 7 Milliarden Menschen abstimmen dürfen ist an sich schon antidemokratisch und blanker Hohn! Mal ganz davon abgesehen, dass kein Mensch so viel Macht auf sich vereinen dürfen sollte. Kein Mensch sollte über andere Menschen herrschen dürfen, erst recht nicht einer über alle!

– Die Kampagnen: Abgesehen von dem suboptimalen US-Wahlsystem waren die Kampagnen dieses Jahr noch inhaltsleerer als sonst. Noch peinlicher daran war, dass sich beide Kandidaten kaum unterschieden! Die wichtigen und strittigen Fragen wurden von beiden erst gar nicht angesprochen! Aber viel schlimmer ist die durchsichtige Schützenhilfe der Medien (nicht nur in den USA), die es geschafft haben, mehrere hundert Mal am Tag die Namen der beiden „aussichtsreichsten“ Kandidaten zu nennen und die Namen aller anderen Kandidaten zu verschweigen – unter denen wirklich bewundernswerte, aufrechte und intelligente Menschen wie Jill Stein zu finden gewesen wären!

– Mal ganz davon abgesehen, dass bisher so gut wie jeder Präsident seine zweite Amtszeit bekam, sogar George W., hat bisher immer der Kandidat gewonnen, der vor der Wahl die meiste Kohle eingesammelt hat und die teuerste Kampagne geführt hat – schon allein das bedeutet, dass nur ein Multimillionär US-Präsident werden kann. Das Amt kann man nur kaufen! Und das Volk lässt sich bereitwillig kaufen, ohne dass das Geld tatsächlich bei Ihnen ankommt wohlgemerkt! Noch besser ist aber die Liste der Sponsoren. Beide Kandidaten wurden von genau den Strukturen mit Unsummen gesponsert, die für all das Leid und die „Krise“ verantwortlich sind, nämlich vom militärisch-industriellen Komplex und der Hochfinanz (von dem auch sonst, dort sitzt ja das Geld). Ein Schelm der dabei denken könnte, der zukünftige Präsident sei irgendwie verpflichtet, die Gesetzesgestaltung im Sinne dieser Akteure durchzuführen!

– Selbst wenn man all das außen vorlässt, mit den Argumenten, dass es schon immer so war und dass man doch eh nichts daran ändern kann, selbst wenn, dann muss man doch wenigstens schauen, ob Obama wirklich eine Wiederwahl verdient hätte! Unsere Medien haben dabei leider viel außer Acht gelassen, das was sie zwangsläufig berichten mussten wurde nicht auf Obama gemünzt oder von uns einfach kollektiv verdrängt!! Zum Einen das schlechte Handling der Subprime-Krise und das Abwälzen selbiger auf die Europäer. Zum anderen die ganzen gebrochenen Wahlversprechen, wie die Schließung von Guantanamo (didn’t happen), Rückzug aus den imperialistischen Kriegen (didn’t happen), Veränderung des Waffenrechts (guess what, didn’t happen!). Aber das allerschlimmste, das unverzeihlichste, die gröbste Vergewaltigung der amerikanischen Verfassung, das anstandsloseste Gesetz der letzten Dekade, weltweit: Die Unterzeichnung des NDAA an Silvester! Der NDAA, kurz für National Defense Authorization Act (zu deutsch sowas wie Nationales Verteidigungs-Ermächtigungsgesetz) erlaubt es dem US-Militär ganz legal und offiziell, jeden Menschen (!), also auch US-Bürger auf US-Boden, unter einem selbst gefällten Terrorismus-Verdacht festzunehmen und ohne Anklage und ohne Prozess, ohne ohne Verteidigungsmöglichkeit, geheim und unbegrenzt zu inhaftieren! Das bedeutet schlichtweg, dass die USA nicht mehr nur ein stinknormaler Polizeistaat westlicher Prägung ist, sondern de facto eine Militärdiktatur!

– Ehe ich es vergesse: Während Bush schon skandalöser Weise vier Drohneneinsätze pro Monat fliegen ließ, sind es seit Obamas Präsidentschaft vier pro Tag! Oabamas Predator-Kampfdrohnen fliegen fast täglich auf der ganzen Welt Kampfeinsätze zur gezielten Tötung von Menschen, die er als potentielle Bedrohung einschätzt. Die Drohnen des Typs Reaper („Sensenmann“) und Predator („Raubtier“) sind meist mit sündhaft teuren Raketen des Typs Hellfire („Höllenfeuer“) ausgestattet – statt gezielten Tötungen sind das tägliche Massaker bei denen zu 75% Zivilisten sterben – nicht selten auch Kinder. So ein Drohnenpilot kann oft nicht unterscheiden zwischen einer terroristischen Versammlung und der Beerdigungszeremonie der Opfer des Vortags. Das geschieht größtenteils in Pakistan, ein Land das offiziell nicht in den Krieg involviert ist, in welchem aber mehr Menschen durch den Krieg gegen den Terror umgekommen sind als in der gesamten westlichen Allianz inklusive der direkten Opfer von 9/11 – sage und schreibe über 15.000 Menschen bisher!

– Zu guter Letzt: Mir ist natürlich klar, dass es einer der beiden werden würde, ich bin ja auch nicht auf den Kopf gefallen! Mir ist auch klar, dass Romney sich auf der ganzen Welt blamiert hat mit seiner Sicht auf die globale Weltlage und Außenpolitik, die so aus der Schilderung des Kalten Krieges eines Hollywood-Streifens entnommen sein könnte (oder ist). Der Typ ist einfach ein Idiot! Da er ein konservativer amerikanischer Prägung ist, ist er von Partei aus schon ein Faschist! Obama hat dasselbe durch seine Politik bewiesen.

Wer immer nur zwischen zwei Übeln wählt, wählt immer das Übel!

Bleibt für mich zu guter Letzt nur eine Frage offen: Was ist denn das schlimmere übel, der dumme Faschist, oder der intelligente Faschist?

Du nennst mich radikal…

Veröffentlicht: 29. September 2013 in Einfach so, Kommentar
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20.11.2011 Du nennst mich radikal, autonom, extremistisch, einen linken Spinner, eine Zecke, einen Träumer.

Aber bin ich das?

Wenn es radikal ist, für ein gerechteres politisches System einzustehen, wenn es radikal ist, für ein humaneres Sozialsystem zu kämpfen, wenn es radikal ist auf die Konstruktionsfehler unseres Finanz- und Geldsystems aufmerksam zu machen, wenn es radikal ist, statt von oben herab die alternativlose Lösung zu präsentieren einen gesamtgesellschaftlichen Diskurs und konstruktive Kritik zu fordern und wenn es radikal ist die Beteiligung der Bürger an der Ausübung von Herrschaft, der Verteilung von Wohlstand und den freien Zugang zu Informationen und Bildung zu fordern, ja, dann bin ich radikal – und du solltest es auch sein!

Aus diesen Gründen solidarisiere ich mich mit den weltweiten Aktionen, Demonstrationen, Protesten und Revolutionen die im Rahmen des sogenannten Arabischen Frühlings, der Bewegung 15. Mai, Occupy Wall Street und Echte Demokratie Jetzt stattfanden und -finden und genau dieses im Sinn haben. Wir haben an einem historischen Tag, dem 15. Oktober 2011, etwas erreicht, was vor uns noch nie jemand erreicht hat: Erstmalig konnten auf der ganzen Welt Millionen Menschen gleichzeitig zu einem „Wirtschaftsthema“ mobilisiert werden und ihrer Empörung über das globale Wirtschafts- und Finanzsystems öffentlich Ausdruck verleihen. Diese historische Aktion bedurfte eines globalen Minimalkonsenses – ebenfalls etwas, dass es meines Wissens in dieser Form noch nicht gegeben hat. Dieser lässt sich in etwa wie folgt zusammenfassen:
1. So wie das System derzeit gestaltet ist, ist es ineffektiv und ungerecht und
2. ein globaler, gesamtgesellschaftlicher und partizipatorischer Diskus muss her, um gemeinsam nach gerechteren Alternativen zu suchen.
Sehr radikal, ich weiß.

Und dass es diese oben angesprochenen Konstruktionsfehler gibt und wir uns die nicht aus den Fingern saugen sollte mittlerweile noch dem Bildungsfernsten, dem politisch Uninteressiertesten und dem Neoliberalsten aufgefallen sein – wenn sogar ein Rösler es so langsam begreift, wenn es schon bei Beckmann kommt, wenn schon der Geissler sich empört, wenn selbst die Merkel auf einmal verschämt die Tobin-Steuer aufwärmt (ganz zu schweigen von gewissen Satiresendungen im Staatsfernsehen), dann sollte doch der gutgläubigste Konsvervatismus-Euphoriker unter uns es endlich begreifen. Dass diese Doktrin immer mehr Menschen empört, und immer unterschiedlichere, liegt meines Erachtens auf der Hand. Es sind diesmal nicht nur die Jungen, die Akademiker, die Intellektuellen oder die Vermummten – nein, es sind auch die Hartz-IVler, die Rentner, die Atomkraftgegner, die Kommunisten, die Umweltschützer, die Keynesianer. Immer mehr Menschen fangen an nachzudenken, darunter auch Wirtschaftsprofessoren, Manager, Investoren, Aufsichtsratsvorsitzende, ja, sogar viele Politiker und Banker! Allein – es dringt noch nicht zu der Masse durch (in Deutschland jedenfalls). Und natürlich ist ein gewisses Maß an Zorn und Empörung durchaus angebracht in Anbetracht der Dimensionen, die die Probleme angenommen haben, die uns die Hörigkeit gegenüber einer defektiven Theorie gebracht haben.

Doch warum sind wir dieser Theorie, der neoliberalen Theorie, so hörig? Weil viele das ganze Thema nicht verstehen? Oft höre ich, dass alles doch so kompliziert sei, so komplex, so unverständlich, man müsse dafür doch studiert haben! Und ich sag: bullshit! Eine fünf minütige Google-Suche oder eine zwei Minuten Youtube-Suche fördert Blogs und Videos zu Tage, die in 15 Minuten einem die Konstruktionsfehler unseres Geldsystems so erklären dass man es im Anschluss seinen Nachbarn erläutern und es beim wöchentlichen Treffen des Dackelzüchtervereins aufzählen kann. Aber nein, die Themen Wirtschaft, Finanzen und Geld werden derart dargestellt, dass selbst eine oberflächliche Beschäftigung mit dem Thema abschreckend und aussichtlos erscheint. Für die, die es doch nicht los lässt, haben wir tolle Studiengänge. Denn wer schließlich BWL oder VWL oder WiWi oder SoWi studiert hat, der weiß was, der hat mit seinem Abschlusszeugnis auch eine umfassende theoretische und praktische Bildung ausgehändigt bekommen, er wurde zum Wirtschaftsexperten, er kann das System erklären und für alle Probleme einfache Lösungen anbieten, die zwar ein wenig schmerzhaft sein könnten, aber alternativlos. Und ich sag: bullshit!
Diese Erkenntnis war auch für mich persönlich nicht leicht, da sie bedeutete mir einzugestehen, dass die vergangenen sechs Jahre mir diesbezüglich keine echte Erkenntnis gebracht haben.

Dies bringt mich zu einem wichtigen Punkt. Das Versagen der Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften. Sei es Wirtschaftswissenschaft, Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre, Politikwissenschaft oder Sozialwissenschaft – Wo waren diese in der „Krise“, die als Platzen der Blase auf dem spekulativen US Markt für Hypotheken von („subprime“) Immobilienbesitzern begann und nun wahlweise als „Bankenkrise“, „Schuldenkrise“, „Euro-Krise“ bis hin zur „Kapitalismuskrise“, „Staatskrise“ oder „Demokratiekrise“ ihre Fortführung findet. Nicht dass ihre Analysen, ihre Prognose, ihre Lösungen, jemals etwas an der Ausgangslage verändert hätten, aber hier geht es ums Prinzip. Warum ich „Krise“ in Anführungszeichen gesetzt habe? Nun, weil man meiner Meinung nach nicht von einer Krise sprechen kann, deren Ursachen immanent, die weder die erste, noch die letzte ihrer Art ist sondern ein immer wiederkehrendes Spektakel darstellt, in seiner Gestalt der gängigen Theorie folgend weder außergewöhnlich noch vermeidbar. Was haben die sogenannten Experten zu den wichtigen Themen unserer Zeit beigetragen? Wo so schwer vermisste Alternativen aufgezeigt? Wenn sie sich gerührt haben, dann kamen fast ausschließlich Ratschläge, die uns nur noch tiefer in den Sumpf geführt haben.

Und hier setzt meine eigene Empörung an. Es geht mir persönlich nicht um einen Kreuzzug gegen „gierige Banker“, „korrupte Politiker“ oder „dekadente Kapitalisten“ – sie richtet sich gegen ein System und gegen die vorherrschenden Theorien. Aber einem System kann man schlecht sauer sein, man kann keine Steine nach ihm werfen, ihm keine wütenden Sprechchöre entgegen schleudern und es auch nicht vor Gericht stellen. Natürlich wurde so ein System immer von jemandem entworfen, vorgeschlagen, implementiert – aber wer will jetzt noch einen Krieg der Generationen vom Zaum brechen? Da man also schlecht zu dem System selbst hingehen kann und es anschreien kann, doch gefälligst etwas an sich zu ändern, ja, gegen wen kann die Empörung sich dann noch richten? Gegen all jene vielleicht, die den gesamtgesellschaftlichen Diskurs mit allen Mitteln versuchen zu verhindern. Man muss nicht gegen etwas demonstrieren, man kann auch für etwas demonstrieren – nur kommen immer sehr schnell die Menschen an, denen es nicht passt wofür man demonstriert. Diese sollten wir im Auge behalten – und hier meine ich mit dem ‚wir‘ nicht die Occupy-Bewegung, auch nicht die Sozialwissenschaft, auch nicht alle deutschen Bürger – nein, ich meine alle Menschen weltweit. Denn es sind die, die das System so bewahren wollen, wie es ist, und dies nicht aus Nostalgie, sondern aus Eigennutz.

Natürlich gibt es auch individuelle Schuldige, seien es Nahrungsmittelspekulanten, oder diese die diesen Handel anbieten oder indirekt unterstützen, und sei es mit der bewussten Konsumentscheidung der Aktienzeichnung oder der Kontoeröffnung und Anlage bei der Deutschen Bank, sowie viele Investoren, Agenturen und Spekulanten, die Ländern angreifen, erpressen und ihnen die Handlungsweisen vorschlagen, oder die Gesetze gleich selbst schreiben. Dennoch ist Zorn gegenüber diesen Menschen recht sinnlos, so nutzen sie doch nur die Schwächen des Systems aus, die Konstruktionsfehler, die zu ihren Gunsten und nicht zufällig dergestalt sind. Die Motive sind auch die alten geblieben – Machterhalt, Besitzerhalt – kurz: Eigeninteresse.

Daher unterstütze ich auch Anstrengungen, schärfere Kontroll- und Regulierungsmaßnahmen auf den internationalen Märkten zu implementieren, aber ich denke auch, in dem Bewusstsein dass es mittlerweile viele gibt die mir da zustimmen, dass diese Konstruktionsfehler in unseren Systemen, dem politischen System Deutschlands, Europas und der internationalen Institutionen, im Wirtschaftssystem (Wachstumszwang, Arbeitslosigkeit, Unterbietungswettbewerb, u.v.m.), im Sozialsystem (Hartz IV, Altersarmut, Ausgrenzung und Diskriminierung), im Bildungssystem (Bologna-„Reform“, Chancenungleichheit, mangelhafte oder fehlende Politik- und Wirtschaftslehre), im Finanzsystem (mangelnde und ineffektive Regulierung, Verflechtung mit und Einflussnahme auf die Politik, Instabilität, Volatilität, große Macht, keine demokratische Kontrolle, menschenverachtende Finanzprodukte… die Liste lässt sich noch lange fortsetzen) und nicht zuletzt im Geldsystem liegen, dessen mathematischen und logischen Grundlagen schwerwiegende mathematische und logische Denkfehler zu Grund liegen und Sachzwänge erzeugen, die wir in möglichen anderen Geldsystemen nicht hätten.

Auch auf die Gefahr hin, wie ein Verschwörungstheoretiker zu klingen, wird es meiner Meinung nach immer offensichtlicher, dass in diesem Land, in dieser Welt, Kräfte am Werk sind, die vielleicht nicht konzentriert und koordiniert, aber konsequent, unablässig und unter großem Ressourceneinsatz daran arbeiten, das gegenwärtige System von Generation zu Generation neu zu erzeugen und es so zu bewahren – es zu konservieren. Zu den üblichen Verdächtigen nebst FDP, CDU/CSU, Springer und Bertelsmann zählt diesmal auch ganz besonders die gesamte Medienlandschaft – es wird verschleiert, heruntergespielt, manipuliert, zu stark vereinfacht oder zu stark verkompliziert, oder einfach schlicht gelogen – ich konnte dies anhand der diesjährigen globalen Ereignisse sehr gut verfolgen. Diese Dominanz des Diskurses muss gebrochen werden, die Denkverbote ignoriert werden, die Diskussionen müssen breiter, tiefgründiger und kritischer geführt werden. Denn die Vorstellung, wir hätten menschliches Handeln ausnahmslos durch Formeln erklärbar gemacht, hätten das perfekte Wirtschats- und Finanzsystem geschaffen, haben ein alternativloses Geldsystem geerbt und die Vorstellung, wir könnten ewiges wirtschaftliches Wachstum realisieren wo uns doch nur eine begrenzte Fläche mit begrenzten Ressourcen zur Verfügung steht, kann doch nicht die einzig erlaubte Vorstellung sein.

Die Menschen haben einfach kollektiv vergessen und verdrängt, wofür wir das Geld erfunden haben. Wir haben das Geld erfunden, um Waren und Dienstleistungen zu tauschen. Genau das erwarten wir von dem Geld auch heute noch. Um dies zu realisieren, braucht es genauso viel Geld, wie es Waren und Dienstleistungen gibt. Erst als wir anfingen, das Geld diesem Kreislauf zu entziehen und es dann hundertfach gegen Zins zu verleihen, begann das von vornherein falsch gedachte, aufkeimende System, welches die Grundfesten für unser heutiges System errichtet hat, die Saat zu legen für das, was uns all die folgenden Jahrzehnte immer wiederkehrende Unmenschlichkeit, Kriege, Armut, Ungleichheit und Ungerechtigkeit bescheren sollte. Den noch viel schlimmer als Demokratiedefizit, Kapitalismus, Finanzindustrie und Korruption ist schlicht und einfach die Umverteilung von Einkommen und Besitz durch unser Schuldgeldsystem, die Konzentration von Vermögen, leistungslose Einkommen durch Zins und Zinseszins, sowie Wachstumszwang. Die Freiwirtschaft oder auch Humanwirtschaft liefert hierzu gute Erklärungen ab. Warum nur werden die Theorien Silvio Gesells nicht neben den erprobten und für unpraktikabel befundenen Theorien der Herren Smith und Keynes gelehrt und im Diskurs verwendet? Und diese auch noch in einer Art und Weise, bei der sich die beiden Herren im Grab herumdrehen würden?

Alternativen gibt es zuhauf, sie müssen nur gedacht werden dürfen! Also hör auf mich radikal zu schimpfen und fang an nachzudenken und dich zu informieren! Wenn du das getan hast, sehen wir uns auf der Straße, zusammen für ein gerechteres, effizienteres und verdammt nochmal logischeres System zu kämpfen!

outraged