Armut bekämpfen heißt den Kapitalismus bekämpfen

Veröffentlicht: 17. Oktober 2013 in Dortmund, Einfach so
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Immer wieder hört man Sätze wie: „Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander.“ So oft, dass man beginnt zu denken, dass müsse so sein, da könne man nichts machen.

Armut ist politisch gewollt

Ein viel zu wenig beachtetes Merkmal der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ist jedoch: Armut und Reichtum sind zwei Seiten derselben Medaille. Die Armut ist zwingender Bestandteil des Wirtschaftssystems und in diesem bereits systembedingt angelegt. Armut ist kein Zufall – Armut ist politisch gewollt. Und ohne die kapitalistische Wirtschaftsordnung zu beseitigen, ist Armut auch nicht zu beseitigen.

Reichtum nicht ohne Armut

Die kapitalistische Wirtschaftsordnung basiert auf Ungleichheit. Ungleichheit im Produktionsprozess, auf ungleicher politischer Partizipation, auf ungleichem Zugang zu Ressourcen und vor allem auf ungleiche Ausstattung mit dem Mittel, mit dem wir unsere Tauschbeziehungen verwirklichen: Geld. Erst die Armut, die Knappheit vieler an diesem Geld und das damit verbundene Streben danach definiert auch, was Reichtum ist.

Geld wird auf verschiedene Arten verwendet: Die unteren Schichten verwenden Geld, um ihre Arbeit in Waren und Dienstleistungen zu tauschen. Die oberen Schichten verwenden es, um Vermögenswerte darin aufzubewahren. Diese letztere Funktion bedingt, dass Geld selbst einen Wert haben muss – und dieser kann wie bei allem anderen, dem wir Wert zumessen, nur über Knappheit hergestellt werden (seit der Abkehr vom Goldstandard).

Vermögen nicht ohne Schulden

Die großen Geldvermögen beruhen in letzter Konsequenz auf den großen Schuldenbergen anderer. Schulden der Gesellschaft sind daher systemisch notwendig, um die großen Vermögen zu ermöglichen.

Aus den beiden eben genannten Gründen können reformistische Bestrebungen, die einseitig auf eine Reduzierung der Armut und der Schulden der dritten Welt abzielen, keinen Erfolg haben, wenn sie nicht die Grundfesten der Wirtschaftsordnung angreifen.

Grenzen des Wachstum

Dem kapitalistischen System sind außerdem natürliche Grenzen gesetzt: Die Renditeforderung auf Eigenkapital wie Aktien sowie die Zinsforderung auf Fremdkapital wie Bankendarlehen führen zu einem gesamtwirtschaftlichen Wachstumszwang, dem begrenzte Ressourcen sowie die Grenzen der Belastbarkeit von Mensch und Natur untergeordnet sind.

Um in einer endlichen Welt immer mehr Wachstum zu kreieren, macht die kapitalistische Verwertungslogik vor nichts Halt: Neue Märkte müssen erschlossen werden, noch höhere Renditen erwirtschaftet werden, selbst wenn es dabei um unsere zwischenmenschlichen Beziehungen geht, die Kapitalzwängen untergeordnet werden oder ob mit unseren Wohnungen oder gar unseren Lebensmitteln spekuliert wird.

Ungerechtigkeit ist vorprogrammiert

Dass dies zu Leid, Hunger und Tod auf der ganzen Welt führt, ist somit vom System verlangt und gewollt. Eines der Instrumente zur Durchsetzung solcher Praktiken sind die Großbanken wie hier die Deutsche Bank.

Diese Spekulationsblasen, der Wachstumszwang, die Schuldenberge, die Ungleichheit und der Ressourcenhunger, die Verschwendung und allen voran die wachsende Armut machen die kapitalistische Wirtschaftsordnung zu einer sehr fragilen und instabilen Geschichte und die größte Quelle von Ungerechtigkeit auf dieser Welt. Denn um dieses ungerechte System weiterhin aufrecht zu erhalten, bedarf es immer mehr Gewalt und autoritärer Herrschaft. Doch wer Armut besiegen will muss für die Überwindung des kapitalistischen Systems kämpfen und an einer gerechten Wirtschaftsordnung von unten arbeiten.

(Rede zum Wirtschaftssystem am Welttag zur Bekämpfung der Armut, gehalten vor der Deutschen Bank, Betenstraße in Dortmund, 17. Oktober 2013)

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